Kirche in ländlichen Räumen


Drängende finanzielle, strukturelle und demografische Herausforderungen vor allem in strukturschwachen ländlichen Räumen werfen zentrale Fragen auf: Wie kann es gelingen, auch in Schrumpfungssituationen lebendig Kirche zu sein? Was sind Kernkompetenzen kirchlicher Mitarbeiter auf dem Land? Sind Gebäude Last oder Schatz? Wie kann Kirche in ländlichen Räumen ihren missionarischen Auftrag wahrnehmen?

Der Forschungsbereich „Ländliche Räume“ am IEEG arbeitet aktuelle gesellschaftliche Trends und Dynamiken in ländlichen Räumen auf und fragt nach deren Bedeutung für Kirche sowie die Bedeutung der Kirche in diesen Prozessen. Nachdem DFG-geförderten Symposium „Mittendrin! — Kirche in peripheren, ländlichen Räumen“ im Jahr 2013 kristallisierten sich zwei Arbeitsschwerpunkte heraus: Fragen zur Kirchenentwicklung und Fragen zur Pastoraltheologie.

Kirchenentwicklung

Kirchenentwicklung unter den gegenwärtigen Bedingungen in peripheren, ländlichen Räumen wurde in der Studie „Landaufwärts“ untersucht. Erforscht wurden missionarische Initiativen und deren Beitrag zu sozialen Innovationen in ländlichen Räumen (publiziert in dem Band: Freiraum und Innovationsdruck). Hier konnte gezeigt werden, dass es gerade in der Peripherie Neuerungen gibt, die wertvoll für die Kirchenentwicklung sind. Derzeit wird am IEEG ein weiteres Forschungsprojekt zur Kirchenentwicklung vorbereitet. Fokus sind hier die kirchlichen, personellen und institutionellen Infrastrukturen und deren Fähigkeit zur Adaption an die Veränderungen im Kontext. Untersucht werden soll, inwiefern die vorgenommen Anpassungen hilfreich sind, um den Beitrag kirchlicher Angebote und Arbeit in Gesellschaft und Gemeinwesen weiterhin in angemessener Qualität aufrecht erhalten zu können.

Pastoraltheologie

Hinsichtlich der Pastoraltheologie steht die Frage nach der Überlastung der kirchlichen Mitarbeiterschaft in Haupt- und Ehrenamt im Vordergrund. Derzeit wird eine Studie zum Thema: "Stadt-Land-Frust? Arbeitsbezogene Gesundheit im Pfarramt" fertig gestellt. Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, die pfarramtliche Arbeit in bestimmten Kontexten (Land/Stadt) miteinander zu vergleichen, um die Ressourcen- und Belastungspotentiale des Pfarramtes in diesen Umgebungen zu bestimmen. Weiterhin werden Faktoren identifiziert, die im besonderen Zusammenhang mit Belastung/Burnout und Ressourcen stehen. Die Studie leistet Grundlagenarbeit für gezielte salutogenetische und kirchenentwicklerische Prozesse in Kirchen.

Bei der Arbeit am Thema „ländliche Räume“ erweisen sich unsere interdisziplinären, internationalen und ökumenischen Kontakte als sehr hilfreich. Besonders das Forschungskonsortium Think Rural! der Universität Greifswald, welches geschäftsführend vom IEEG geleitet wird, bereichert die Expertise am Institut bezüglich des Landthemas. Das IEEG versteht sich hier als Kommunikator solcher „fremder“ Perspektiven und erarbeitet auf deren Basis neue strukturelle und inhaltliche Ansätze.

Ansprechpartner

Benjamin Stahl