Erprobungsräume


Das IEEG verantwortet in Kooperation mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD (Hannover) die Evaluation des Programms „Erprobungsräume“ der Ev. Kirche Mitteldeutschlands. Ziel des Programms ist es, als Kirche neue Wege und Formen zu erproben, d.h. gemeinsam in ungewohnten Kontexten und an unüblichen Orten kirchliche Experimente zu wagen. Ausgangspunkt dieses Programms ist die Beobachtung, dass es innerhalb der landeskirchlichen Landschaft ermutigende Aufbrüche gibt, die – gegen den Trend – Besucherzuwachs erleben, dass Gemeinden auch ohne festes Pfarrpersonal ein lebendiges Gottesdienstleben gestalten, dass Jugendkirchen Zentren im Kiez werden und bisher unerreichte Zielgruppen die Gute Botschaft Gottes erfahren. Es sind Aufbrüche, die auf die eine oder andere Weise das klassisch volkskirchliche Paradigma durchbrechen. Solche Aufbrüche wahrzunehmen, zu fördern und ihren modellhaften Charakter auch für andere Regionen und Sozialräume fruchtbar zu machen, diese Absicht steckt hinter den „Erprobungsräumen“. Seit Herbst 2015 und über einen Zeitraum von 5 Jahren fördert die EKM bis zu 15 Projekte mit insgesamt 2,5 Mio. Euro sowie fachlicher und juristischer Begleitung. Förderungswürdig erscheinen Projekte und Gemeinden, in denen folgende Merkmale erkennbar werden:

„1. In ihnen entsteht Gemeinde Jesu Christi neu (communio sanctorum - koinonia);
2. Sie überschreiten die volkskirchliche Logik an mindestens einer der folgenden Stellen: Parochie, Hauptamt, Kirchengebäude;
3. Sie erreichen die Unerreichten mit dem Evangelium und laden sie zur Nachfolge ein (missional - martyria);
4. Sie passen sich an den Kontext an und dienen ihm (diakonia);
5. In ihnen sind freiwillig Mitarbeitende an verantwortlicher Stelle eingebunden;
6. Sie erschließen alternative Finanzquellen (Diversifizierung);
7. In ihnen nimmt gelebte Spiritualität einen zentralen Raum ein (liturgia).“[1] 

Ob und inwiefern die Erprobungsräume ihr selbstgestecktes Ziel als Erfolgsmodell für die EKM erreichen, dieser Frage geht ein vom IEEG (Greifswald) und SI (Hannover) verantworteter Evaluationsprozess nach. Über die Gesamtdauer des Projekts gilt es Ertrag und Grenzen der Erprobungsräume zu erforschen sowie förderliche und hinderliche Einflussfaktoren kirchlichen Leitungshandelns zu benennen.