Regiolokale Kirchenentwicklung


Copyright Foliengestaltung: David Reißmann

„Regiolokale Kirchenentwicklung“ zielt zuerst auf die Stärkung lokaler Gemeinschaften und Gemeinden: Gemeinden haben eine gemeinsame Verantwortung für eine Region. Die Region ist eine Koordinationsaufgabe und birgt Entlastungspotential, insofern die stellvertretende Übernahme von Aufgaben die Profilierung und Stärkung der lokalen Partner verlangt. Örtliche Präsenz als Basis gibt es mittelfristig nicht mehr ohne regionale Ergänzung. Damit spielt sich „Regiolokale Kirchenentwicklung“ im Feld von freiwilliger Kooperation, Profilierung, Ergänzung und Solidarität ab.

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Die regionale Gestaltungsaufgabe steht im Kontext des Wandels, dem sich Kirchen und Gemeinden als Teil der Gesellschaft gegenwärtig ausgesetzt sehen: Individualisierung, Säkularisierung, Urbanisierung, Globalisierung, demographische Entwicklungen und die Zeitbestimmung als Spät- oder Postmoderne stellen für ihr Handeln echte Herausforderungen dar. Diese Analysen des Zeitgeschehens erklären, warum die Kirche als Institution und Organisation unter Druck gerät und unter anderem mit Strukturveränderungen und Einsparmaßnahmen darauf reagiert.

Zu den genannten Gegenwartsdiagnosen treten seit einiger Zeit Raumanalysen hinzu, um passgenaue und konkrete Handlungsgrundlagen für die Kirchenentwicklung zu erarbeiten: Wie können und müssen sich kirchliche Strukturen wandeln, damit die kirchenrechtlich verbrieften Ansprüche der Kirchenmitglieder auch in weitläufigen, dünn besiedelten Gebieten abrufbar sind? Sollen die Zentren oder die Peripherie gestärkt werden, um in Zukunft handlungsfähig zu sein und dem Auftrag der Kirche am besten zu entsprechen? Wie kann Kirche mit den fortdauernden Schrumpfungsprozessen umgehen, ohne in eine organisationale Depression einzutauchen? Wie kann man eine gerechte Verteilung von Mitteln unter sich wandelnden Bedingungen innerkirchlich gewährleisten? Und was sollen wir dem Relevanzverlust entgegensetzen?

Um diese und ähnliche Fragen zu bearbeiten verpartnert die praktisch-theologische Forschung hier ihre theologischen Grundlagen mit Kenntnissen aus Geographie, Raumordnung und Regionalplanung. Hinzu treten Analysen aus Politikwissenschaften und Soziologie, um vorzugswürdige kybernetische Optionen zu erarbeiten.

Das Forschungsfeld „Regiolokale Kirchenentwicklung“ am IEEG profitiert von der Expertise zu ländlichen Räumen, den an der Universität laufenden Forschungen zu Innovation und dem Forschungsfeld „Führen und Leiten in der Kirche“. Das Zentrum für Mission in der Region bringt in die „Regiolokale Kirchenentwicklung“ Praxiswissen und Erfahrungen aus Regionalentwicklungsprozessen ein.

Insofern „Regiolokale Kirchenentwicklung“ nicht nur das Verhältnis von Parochien steuert, sondern das Verhältnis unterschiedlicher, auch neuer Gemeindeformen, wird die Aufgabe im Vergleich etwas unübersichtlicher. Parochien behalten ihr Recht und wandeln sich da, wo es nötig ist. Hinzu kommen neue Gemeindeformen, die die Region bereichern und am missionarischen Auftrag der Kirche mitwirken.

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Im Bild ausgedrückt wird dann aus den Parochien mit ihrem Vollprogramm ein regionales Lichternetz von kirchlichen Gemeinschaften, die an verschiedenen Örtlichkeiten mit ihren Stärken und Eigenheiten dem missionarischen Auftrag dienen, dem die Kirche als Ganzes verpflichtet ist.

„Regiolokale Kirchenentwicklung“ geht davon aus, dass Wachstums- und Schrumpfungsprozesse gleichzeitig stattfinden und im Raum eng beieinander liegen können. Die Mehrheit der Kirche wird sich jedoch mit Prozessen der Schrumpfung und Peripherisierung auseinandersetzen müssen. Diese Auseinandersetzung ist im Kern der „Regiolokalen Kirchenentwicklung“ verankert, insofern kybernetische Optionen auf Basis von räumlichen Entwicklungen erarbeitet werden und so eindimensionale Wachstumsstrategien für Schrumpfungsregionen vermieden werden und dies auch das Gegenteil ausschließt: Schrumpfungsstrategien für Wachstumsregionen.

Mehr Informationen zur "Regiolokalen Kirchenentwicklung" finden Sie in der Broschüre.