Regiolokale Kirchenentwicklung


Das Forschungsfeld "Regiolokale Kirchenentwicklung" untersucht, wie Kirchenbezirke beziehungsweise Regionen durch die Zusammenarbeit der einzelnen Gemeinden gestärkt werden, oder kurz: Wie Gemeinden vom Nebeneinander zum Miteinander kommen können. Das IEEG arbeitet gemeinsam mit dem Zentrum für Mission in der Region an einem Konzept, um die Gemeinden einer Region unter Beibehaltung ihrer Selbstverantwortlichkeit für ihren Ort zusammen zu bringen. In der Erforschung dieser räumlichen Strukturen und Prozesse kommt die Expertise des Forschungskonsortiums "Think Rural!" zum Tragen.

Die Kirche steht als Institution durch den gesellschaftlichen Wandel unter Druck und reagiert mit Strukturveränderungen und Einsparmaßnahmen. Hinzu kommen räumliche Herausforderungen: Wie können und müssen sich kirchliche Strukturen wandeln, damit die kirchenrechtlich verbrieften Ansprüche der Kirchenmitglieder auch in weitläufigen, dünn besiedelten Gebieten abrufbar sind? Sollen die Zentren oder die Peripherie gestärkt werden, um in Zukunft handlungsfähig zu sein und dem Auftrag der Kirche am besten zu entsprechen? Wie kann Kirche mit den fortdauernden Schrumpfungsprozessen umgehen, ohne in eine organisationale Depression einzutauchen?

Um diese und ähnliche Fragen zu beantworten, wurde das Konzept "Regiolokale Kirchenentwicklung" entworfen: 

© David Reißmann

„Regiolokale Kirchenentwicklung“ zielt zuerst auf die Stärkung lokaler Gemeinden. Diese haben eine gemeinsame Verantwortung für eine Region. Dabei soll ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zentrum und Peripherie entstehen. Da gibt es zum einen attraktive Zentralorte, wo z.B. größere Veranstaltungen und Schulungen stattfinden und zum anderen weiterhin die tief in den Ortschaften verwurzelten lokalen Gemeinden. Es wird nach Wegen gesucht, wie lokale Gemeinden, möglicherweise auf verschlankter Art und Weise, rechtlich selbständig bleiben, um vor Ort eigenverantwortlich handeln zu können. Die Mitglieder der lokalen Gemeinde besuchen regelmäßig die zentralen Orte. Nach einer Metapher von Thomas Schlegel und Martin Alex entsteht so ein regionales Leuchtfeuer und ein Lichternetz aus lokalen Gemeinschaften.

Dabei müssen die einzelnen Gemeinden nicht mehr Anbieter von Vollprogrammen sein. Sie konzentrieren sich neben ihrem Gottesdienst auf das, worin sie stark sind, sei es die Musik, die Kinder- und Jugendarbeit oder ein missionarischer Dienst. Somit ergänzen sich die lokalen Gemeinden und verbinden sich zu einer Region. Die Parochien bleiben ein wichtiger Grundbaustein, sind aber nicht mehr durch ihre Begrenzung definiert. Parochien sind dann Orte mit bestimmtem Profil in einem lokalen Bereich der Region, aber die Grenzen der Parochie schließen nicht länger andere aus, die neue Formen kirchlichen Lebens ausprobieren.


Kurz zusammengefasst stützt sich das Prinzip der "Regiolokalen Kirchenentwicklung" auf vier Pfeiler:

Freiwillige Kooperation – Gemeinden arbeiten zusammen.
Profilierung – Jede Gemeinde tut das, worin sie stark ist, es wird sich vom „Vollprogramm“ verabschiedet.
Ergänzung – Neid und Verlustangst spielen keine Rolle mehr.
Solidarität – Schwache werden gestützt und die Gemeinden tragen gemeinsam die Verantwortung für ihre Region.

Weitere Informationen zur "Regiolokalen Kirchenentwicklung" finden Sie in der Broschüre

Es wurde außerdem das Planspiel "Regio-Lokale Kirche" entwickelt.